Balkon eines Wohngebäudes

Normativer Rahmen: DIN 18533

Die Abdichtung von Balkonen und anderen nicht erdberührten Außenflächen des Hochbaus ist in Deutschland durch DIN 18533 geregelt. Die Norm unterscheidet folgende Beanspruchungsklassen:

  • W1-E: Mäßige Wassereinwirkung, z. B. Balkone ohne Überdachung in windgeschützter Lage.
  • W2-E: Hohe Wassereinwirkung, z. B. Balkone mit dauerhaft feuchtem Bodenbelag oder ohne Überdachung.

Die Beanspruchungsklasse bestimmt die Mindestanforderungen an das Abdichtungssystem und die Anzahl der Lagen.

Abdichtungssysteme im Vergleich

Bitumenbahnen (Schweißbahn, kaltselbstklebend)

Bitumenbahnen sind ein klassisches und weit verbreitetes Abdichtungssystem. Die Verarbeitung erfolgt durch Aufschweißen oder Selbstkleben auf vorbereiteten Untergrund. Für Balkone werden oft zweilagige Systeme eingesetzt, wobei die erste Lage als Voranstrich und mechanisch befestigte Unterlagsbahn fungiert.

  • Vorteile: Bewährt, kostengünstig, breites Angebot.
  • Nachteile: Temperaturempfindlich, erfordert ebenen Untergrund, geringe Flexibilität bei Rissen.

Kunststoffbahnen (PVC-P, FPO, EPDM)

Kunststoffbahnen auf Basis von weichmacherhaltigem PVC, FPO oder EPDM sind elastischer und temperaturstabiler als Bitumenbahnen. Verbindungen werden verschweißt (PVC, FPO) oder geklebt (EPDM). Geeignet für komplex geformte Grundrisse.

  • Vorteile: Hohe Elastizität, temperaturunempfindlich, lange Lebensdauer (bis 40 Jahre).
  • Nachteile: Höhere Materialkosten, PVC enthält Weichmacher (Umweltaspekte).

Flüssigabdichtungen (PMMA, PU, MS-Polymer)

Reaktionsharzgebundene Flüssigabdichtungen werden flüssig aufgetragen und härten zu einer nahtlosen Membran aus. Besonders geeignet bei komplexen Geometrien, Durchdringungen und engen Anschlusssituationen. PMMA-Systeme (Polymethylmethacrylat) werden zweikomponentig mit Glasvlieseinlage aufgebaut.

  • Vorteile: Nahtlos, schnell begehbar, sehr gut an Anschlüssen.
  • Nachteile: Verarbeitungstemperatur beachten, Untergrundvorbereitung kritisch.

Bei der Auswahl des Abdichtungssystems sind neben dem Material auch der Untergrund, die Nutzungsart des Balkons (begehbar mit Belag, begrünt) und die geplante Nutzungsdauer ausschlaggebend. Im Zweifel ist ein Fachplaner heranzuziehen.

Kritische Anschlussdetails

  • Wandanschluss: Die Abdichtungsaufkantung an aufgehenden Wänden muss mindestens 15 cm über Oberkante des fertigen Belags reichen. Die Oberkante wird mit einer Profil- oder Abschlussleiste gesichert.
  • Türanschluss: Der Übergang zwischen Innenraum-Bodenbelag und Balkonbelag ist eine häufige Schwachstelle. Schwellen und Türprofile müssen auf der Abdichtungsebene liegen; der Bodenbelag des Innenraums muss über der Abdichtungsebene enden.
  • Balkonbrüstung: Geländerpfosten durchdringen die Abdeckung von Brüstungsabdeckungen. Diese Durchdringungen müssen konstruktiv abdichtend ausgeführt werden.
  • Entwässerungsrinne: Rinnen und Abläufe werden in die Abdichtungsebene einbezogen. Der Ablaufkörper wird mit der Abdichtungsbahn verklebt oder verschweißt.

Gefälleplanung

Das Mindestgefälle auf Balkonen beträgt nach den technischen Regeln des ZVDH 2 % in Richtung der Entwässerung. Auf Flächen mit rauem Belag kann auf bis zu 1 % reduziert werden, wenn eine schnelle Entwässerung durch andere Maßnahmen (z. B. Drainmatte) sichergestellt ist. Ein Gegengefälle zur Wand ist unter allen Umständen zu vermeiden.

Weiterführende Quellen