Flachdach – Außenansicht

Typische Schadensbilder bei Flachdächern

Die häufigsten Schäden an Flachdächern entstehen durch folgende Ursachen:

  • Alterung der Abdichtung: Bitumenbahnen verspröden durch UV-Strahlung und Temperaturschwankungen. Risse und Schwindrisse entstehen.
  • Wurzeldurchdringung: Bei Gründächern können Pflanzenwurzeln die Abdichtungsebene beschädigen, wenn keine wurzelfeste Schicht vorhanden ist.
  • Verstopfte Abläufe: Laub, Moos und Schmutz verstopfen Abläufe, es entsteht stehendes Wasser (Pondingwater), das die Abdichtung dauerhaft belastet.
  • Abgelöste oder fehlende Anschlüsse: An Attikaabschlüssen, Dachrandprofilen und Durchdringungen lösen sich Abdichtungsanschlüsse.
  • Feuchtigkeit in der Dämmung: Durch Leckagen oder Kondensat eingedrungene Feuchtigkeit reduziert den Wärmedurchlasswiderstand erheblich und kann die Tragkonstruktion schädigen.

Sanierungsstrategien

Vollsanierung

Bei einer Vollsanierung wird der gesamte Aufbau bis zur Tragkonstruktion zurückgebaut und neu aufgebaut. Dies ist notwendig, wenn die Dämmung durchtränkt ist, Schäden an der Tragkonstruktion vorliegen oder der Bestand nicht als Untergrund geeignet ist. Vorteile: Klare Qualitätssicherung, aktueller Normstand, mögliche Energieeffizienzverbesserung.

Überarbeitung (Teilsanierung)

Bei der Überarbeitung wird eine neue Abdichtungslage über dem bestehenden Aufbau aufgebracht. Voraussetzung ist, dass die Bestandsdämmung trocken und die Abdichtung als Untergrund geeignet ist. Vorteil: Geringere Kosten und Bauzeit. Nachteil: Der Aufbau ist dicker; Bestandsschäden können unentdeckt bleiben.

Vor einer Überarbeitung muss der Feuchtegehalt der Dämmung ermittelt werden, z. B. durch elektrische Feuchtemessung oder Kernbohrung mit Wiegung. DIN 18531 Teil 4 regelt die Instandhaltung von Abdichtungen.

Normgerechter Schichtaufbau nach DIN 18531

DIN 18531 unterscheidet folgende Nutzungsarten für geneigte und flach geneigte Dächer:

  • Dachtyp 1 (nicht genutztes Flachdach): Kiesschüttung oder Folie als obere Schutzschicht, Abdichtungslagen darunter.
  • Dachtyp 2 (genutztes Flachdach, z. B. Dachterrasse): Plattenbelag auf Stelzlagern oder im Mörtelbett, Schutzschicht, Abdichtung, Dämmung.
  • Dachtyp 3 (Gründach): Substratschicht, Drainschicht, Schutzmatte, wurzelfeste Abdichtung, Dämmung.

Ein typischer Aufbau für ein nicht genutztes Flachdach (Regelaufbau):

  1. Tragkonstruktion (Stahlbeton oder Holzrahmenkonstruktion)
  2. Dampfsperre oder Dampfbremse (Kondensatschutz der Dämmung)
  3. Wärmedämmung (EPS, PIR oder Mineralwolle)
  4. Abdichtung zweilagig (erste Lage: mechanisch befestigt oder verklebt; zweite Lage: aufgeschweißt oder vollflächig verklebt)
  5. Kiesschüttung als Auflast (mindestens 5 cm) oder Folien-Schutzschicht

Anforderungen an Abdichtungsmaterialien nach DIN 18531

Die Norm definiert Materialklassen (M1–M3) je nach Temperaturverhalten und Prüfkriterien. Für die Oberlagbahn muss mindestens Klasse M1 eingehalten werden. Für besondere Beanspruchungen (z. B. Wurzelfestigkeit) sind höhere Klassen erforderlich. Die Klasse wird durch genormte Prüfungen nach EN-Normen nachgewiesen.

Entwässerung bei der Sanierung

Vorhandene Dachabläufe müssen bei der Sanierung erneuert oder zumindest in die neue Abdichtungsebene einbezogen werden. Notüberläufe verhindern eine unzulässige Wasseransammlung auf der Dachfläche und sind nach DIN EN 12056-3 zu bemessen. Das Mindestgefälle zur Entwässerung beträgt nach DIN 18531 mindestens 1,5 %; empfohlen werden 2 %.

Weiterführende Quellen